{"id":253,"date":"2017-07-08T12:30:09","date_gmt":"2017-07-08T10:30:09","guid":{"rendered":"http:\/\/editionandreasirle.com\/?page_id=253"},"modified":"2018-05-27T13:49:33","modified_gmt":"2018-05-27T11:49:33","slug":"s-sekundaeres","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/editionandreasirle.de\/?page_id=253","title":{"rendered":"Artikel"},"content":{"rendered":"<p>Die R\u00fcckkehr auf die \u00c4lteren Inseln von Daniel L\u00fcthi, 2009 \u2013 als pdf (788KB): <a href=\"http:\/\/editionandreasirle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Lyonesse.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lyonesse<\/a><\/p>\n<p>Vance aus anderem Blickwinkel Norma Vance in <em>Cosmopolis<\/em> 41, 2003 \u2013 als pdf (539KB): <a href=\"http:\/\/editionandreasirle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Vance-aus-anderem-Blickwinkel.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vance aus anderem Blickwinkel<\/a><\/p>\n<p>Eine Vance-Biografie von Norma Vance in <em>Cosmopolis<\/em> 40, 2003 \u2013 als pdf (241KB): <a href=\"http:\/\/editionandreasirle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Vance-Biografie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vance-Biografie<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#hehrler\">Radiobeitrag von Hanno Ehrler, 1999<\/a> \u2013 als pdf (161KB): <a href=\"http:\/\/editionandreasirle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Mirk-ist-die-Zeit-der-Unwirklichkeit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mirk ist die Zeit der Unwirklichkeit<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#airle\">Essay von Andreas Irle,\u00a01996<\/a> \u2013 als pdf (111KB): <a href=\"http:\/\/editionandreasirle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Wortschmied-und-Weltensch\u00f6pfer.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wortschmied und Weltensch\u00f6pfer<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Hanno Ehrler<\/p>\n<p><strong id=\"hehrler\">\u201eMirk ist die Zeit der Unwirklichkeit\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Welten des amerikanischen Science-Fiction-Autors Jack Vance<\/p>\n<p><strong>Musikunterlegung 1<\/strong><\/p>\n<p><u>Sprecher 2<\/u><\/p>\n<p>Etzwane starrte durch die \u00d6ffnung hinaus. Best\u00fcrzt wich er zur\u00fcck; das Durcheinander seltsamer Formen und Farben sagte ihm zun\u00e4chst nichts. Noch einmal blickte er mit zusammengekniffenen Augen hinaus und versuchte die fremdartige Szene, die er sah, zu deuten. Pl\u00f6tzlich erkannte er, da\u00df es eine Landschaft war. Er sah steile Zuckerhuth\u00fcgel, die von einer gl\u00e4nzend schwarzen, dunkelgr\u00fcnen und braunen Vegetationsschicht \u00fcberzogen waren. \u00dcber allem lag ein dunkelgrauer Himmel, darunter T\u00fcrme schwarzer Wolken und Regenschleier. An den unteren H\u00e4ngen zogen sich unregelm\u00e4\u00dfige Geb\u00e4ude hin, die aus groben Brocken eines milchig-wei\u00dfen Materials errichtet waren. Noch weiter unten bildeten diese Geb\u00e4ude einen dichten Komplex. Die meisten bestanden aus den hellen Brocken; andere wiederum aus schwarzer Schlacke. Da und dort ragten gro\u00dfe schwarze Rechtecke wie Schilder auf, doch sie wiesen keine Zeichen auf und hatten keinen erkennbaren Zweck.<\/p>\n<p><u>Sprecher 1<\/u><\/p>\n<p>Die fremdartige Landschaft des Planeten Kahei scheint mit den menschlichen Sinnen kaum zu fassen. Etzwane, den es auf diesen unwirtlichen Planeten verschlagen hat, braucht lange, um sich in der d\u00fcsteren Landschaft von Kahei zurechtzufinden. Etzwane ist der Protagonist im Science-Fiction-Roman \u201eAsutra\u201c von Jack Vance, geschrieben 1974.<\/p>\n<p>Jack Vance wurde 1916 in San Francisco geboren und lebt seit gut vierzig Jahren im benachbarten Oakland, in einem selbstentworfenen, von m\u00e4chtigen Redwood-B\u00e4umen umgebenen Haus. Vance interessierte sich fr\u00fch f\u00fcr Astronomie, studierte sp\u00e4ter Physik, dann Journalismus an der University of California und spielte nebenbei Jazztrompete. Die erste Erz\u00e4hlung erschien 1945, das erste Buch 1950. Seitdem entstanden zahlreiche Kurzgeschichten sowie mehr als drei\u00dfig Romane.<\/p>\n<ol>\n<li><u> O-Ton Vance<\/u> --- 0\u00b452\u00b4\u00b4<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>I couldn\u00b4t sell enough ... my own boss.<\/em><\/p>\n<p>OVERVOICE Ich konnte nicht genug verkaufen, damals, als ich heiratete, deshalb wurde ich Tischler und baute H\u00e4user - f\u00fcr ein paar Jahre, bis das Geld reichte, das ich mit den Geschichten verdiente. Das waren einfach nur Jobs, ohne Bedeutung f\u00fcr mich. Ich war eine Zeitlang bei einer Ingenieursgesellschaft, oben in den Bergen. Ich baute Minen, lernte Schwei\u00dfen und verschiedene Bautechniken, aber ich habe nie in einem B\u00fcro gearbeitet, nie drinnen, niemals in meinem Leben. Ich war auf Plantagen, ich habe Obst geerntet und alles m\u00f6gliche. Ich mu\u00dfte das oft tun, obwohl es es keinen Spa\u00df machte, denn mir war eines immer v\u00f6llig klar: Ich wollte Schriftsteller werden. Was mir beim Schreiben am meisten gefiel, das war die Unabh\u00e4ngigkeit. Ich war mein eigener Boss.<\/p>\n<p><u>Sprecher 1<\/u><\/p>\n<p>In den USA ist Jack Vance als Science-Fiction-Autor bekannt und ber\u00fchmt. Das Etikett Science-Fiction mag er allerdings nicht, obgleich fast alle seine B\u00fccher die Z\u00fcge dieses Genres tragen. Sie sind als Abenteuerromane geschrieben, mit Helden, Liebesaffairen und den Motiven Geldgier, Rache, Eifersucht und Machtstreben. Sie spielen auf fernen Planeten, und dank avancierter Technik fliegen Raumschiffe kreuz und quer durch die Galaxie. Auch au\u00dferirdische Wesen treten auf, etwa die Asutra, die den Planeten Kahei bewohnen.<\/p>\n<p><strong>Musikunterlegung 2<\/strong><\/p>\n<p><u>Sprecher 2<\/u><\/p>\n<p>Ifness hatte eine Flasche mit einem Asutra bei sich. Das Wesen \u00e4hnelte einem riesigen Insekt - zwanzig Zentimeter lang und zehn Zentimeter breit: wie eine Kreuzung aus Ameise und Tarantel, mit v\u00f6llig Unbekanntem angereichert. Sechs Arme, von denen jeder in drei F\u00fchlern endete, gingen von dem Torso aus. An einem Ende sch\u00fctzten Kanten aus purpurbraunem Chitin den optischen Apparat: drei \u00f6lschwarze Kugeln in flachen, haargesch\u00fctzten H\u00f6hlungen. Darunter zitterten Nahrungsaufnehmer und eine Gruppe von E\u00dfwerkzeugen. W\u00e4hrend der Reise hatte Ifness ab und zu gegen das Glas geschlagen, worauf der Asutra nur mit einem Zucken seiner Augenorgane reagierte. Ifness fand das Wesen unangenehm. Irgendwo in dem schimmernden Leib fanden komplizierte Vorg\u00e4nge statt: logische Schlu\u00dffolgerungen oder etwas \u00c4hnliches, Ha\u00df oder ein entsprechendes Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Ifness weigerte sich, Vermutungen \u00fcber die Natur des Asutra anzustellen: \u201eEs ist sinnlos herumzur\u00e4tseln. Die Tatsachen, soweit wir sie kennen, sind zweideutig.\u201c<\/p>\n<p>Ezwane fragte: \u201eDu hast den Asutra untersucht: Was kam dabei heraus?\u201c<\/p>\n<p>Ifness antwortete: \u201eDer Metabolismus des Asutra ist ungew\u00f6hnlich und entzieht sich meiner Analyse. Nach den E\u00dfwerkzeugen zu urteilen scheint er von Natur aus eine parasit\u00e4re Lebensform zu sein. Ich habe bisher kein Organ zur Kommunikation entdecken k\u00f6nnen. Vielleicht benutzen die Wesen aber eine Methode, die f\u00fcr meinen Verstand zu hoch ist. Sie sammeln Informationen auf den Oberfl\u00e4chen von Kristallen, die sie im Unterleib tragen. Diese Kristalle wachsen und der Asutra w\u00e4chst. Ein gro\u00dfer Unterleib deutet auf ein entsprechend umfangreiches Wissen hin.\u201c<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><u> O-Ton Vance<\/u> --- 1\u00b426\u00b4\u00b4<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>I generally shy away\u00a0\u00a0\u00a0 with each other.<\/em><\/p>\n<p>OVERVOICE Normalerweise vermeide ich es, sogenannte Au\u00dferirdische oder Aliens in meine Geschichten einzubeziehen. Ich mache das sehr selten, zum einen, weil da\u00df so eine Art Klischee bei den sogenannten Science-Fiction-Autoren ist; alle benutzen Aliens. Zum zweiten ist das viel zu einfach, ein Gegen\u00fcber von Menschen und Au\u00dferirdischen zu konstruieren. Die Menschen landen auf einer Welt, und pl\u00f6tzlich kommen diese merkw\u00fcrdig aussehenden Kreaturen aus den Bergen und alle schreien, seht, seht, da dr\u00fcben sind Aliens. Ich finde das kindisch, so etwas zu machen. Es ist so einfach f\u00fcr einen Autor, eine au\u00dferirdische Kreatur so zu manipulieren, da\u00df sie in seine Geschichte pa\u00dft.<\/p>\n<p>Sollte das wirklich mal passieren, da\u00df Menschen auf eine Welt kommen, auf der es eine andere intelligente Lebensform gibt, dann w\u00e4re das sehr verwirrend, denke ich. Sie w\u00fc\u00dften nicht, wie man mit dieser Lebensform umgehen sollte. Es w\u00e4re \u00e4u\u00dferst kompliziert, mit ihr zu kommunizieren; man w\u00fcrde sich wohl nie verstehen, und das w\u00fcrde Mi\u00dftrauen erzeugen. Zwei verschiedenartige Lebensformen w\u00e4ren wahrscheinlich niemals gl\u00fccklich miteinander. Sie k\u00f6nnten vielleicht kooperieren, aber es w\u00fcrde viele viele Jahre dauern, bevor die zwei Zivilisationen locker miteinander umgehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><u>Sprecher 1<\/u><\/p>\n<p>In seinem Roman \u201eDie Asutra\u201c zeichnet Jack Vance das Bild einer au\u00dferirdischen Lebensform. Die insekten\u00e4hnlichen, merkw\u00fcrdigen Wesen sind dort Untersuchungsgegenstand wissenschaftlicher Forschung, ein wissenschaftliches Problem sozusagen. Denn Reflektion \u00fcber Wissenschaft ist das eigentliche Thema des Buches. Die beiden Protagonisten Etzwane und Ifness diskutieren anhand der Au\u00dferirdischen \u00fcber Methoden der Forschung und ihren Sinn, \u00fcber die Auswertung von Fakten, \u00fcber ethisch-moralische Fragen. Einfache Antworten gibt es nicht, das Geheimnis der Asutra bleibt ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Denn Jack Vance interessiert sich f\u00fcr den Menschen, gleich ob er \u00fcber Au\u00dferirdische schreibt, ob er Verfolgungsjagden im Weltraum oder Psychodramen auf fremden Planeten inszeniert. Solch klischeehafte Abenteuer-Szenerien dienen als erz\u00e4hlerische Folien, als spannungsgeladene Oberfl\u00e4chen f\u00fcr Gedanken und Diskussionen \u00fcber die menschliche Zivilisation, \u00fcber Wissenschaft, Kunst und Philosophie, \u00fcber soziale und \u00f6konomische Strukturen.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><u> O-Ton Vance<\/u> --- 0\u00b450\u00b4\u00b4<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>I began writing ... evolved societies.<\/em><\/p>\n<p>OVERVOICE Ich begann \u00fcber Menschen zu schreiben und Zivilisationen und wie sie sich entwicklen und ver\u00e4ndern, wie Menschen auf eine andere Welt auswandern, dort eine Weile alleine leben und dann wieder von Menschen besucht werden. Wenn die menschliche Rasse sich irgendwann tats\u00e4chlich einmal in unserer Galaxie ausbreitet, dann wird es kleine Gemeinschaften und Gesellschaften geben, die unter sich sind, sich auf ihre eigene Weise weiterentwickeln, die gewisserma\u00dfen isoliert sind und von den anderen f\u00fcr ein paar tausend Jahre vergessen werden. Da wird es dann Ver\u00e4nderungen geben. Diese Menschen werden ihr Verh\u00e4ltnis zum Leben und ihre Sichtweisen ver\u00e4ndert haben. Das ist das, was ich gerne mache, diese ver\u00e4nderten und wie auch immer weiterentwickelten Gesellschaften darzustellen.<\/p>\n<p><u>Sprecher 1<\/u><\/p>\n<p>Die meisten Geschichten von Jack Vance spielen auf derselben B\u00fchne; sie hei\u00dft \u201egaianisches Territorium\u201c. Die Zeit: drei\u00dfigtausend Jahre in der Zukunft. Der Ort: unsere Galaxie, die inzwischen von den Menschen besiedelt worden ist. Auf vielen Planeten haben sich eigenst\u00e4ndige Zivilisationen entwickelt, schlichte oder verschrobene, esoterische, technische oder dekadente, in jedem Fall immer merklich gepr\u00e4gt durch die Gestalt der Welt, auf der sie sich befinden, durch Landschaft, Klima und andere Umweltbedingungen.<\/p>\n<p>Jack Vance beschreibt die Verhaltensweisen und Riten der Menschen, dar\u00fcber hinaus unz\u00e4hlige Details: Architektur, Mobiliar, Geschirr, Beleuchtung, Kleidung, Schmuck, Kunst und Musik. Die Kurzgeschichte \u201eIn letzter Sekunde\u201c zum Beispiel lebt vom Entwurf eines fiktiven Musikinstrumentariums, und eine aberwitzige Kleiderordnung macht dem Helden in \u201eDas Buch der Tr\u00e4ume\u201c das Leben schwer. Die Beschreibungen sind pr\u00e4zise und plastisch, dar\u00fcber hinaus auch Ausdruck eines Determinismus, der die Schriften von Jack Vance durchzieht: Zivilisation und Kultur einer Gruppe von Menschen, ihr Verhalten, ihre Sitten und Gebr\u00e4uche, ihre Sprache und ihr \u00e4sthetisches Empfinden, das alles werde ma\u00dfgeblich bestimmt durch die Bedingungen der Umwelt, in der diese Menschen leben.<\/p>\n<p>Zum Beispiel Pardero, Protagonist im Roman \u201eMarune, Alastor 933\u201c. Er hat sein Ged\u00e4chtnis verloren, wurde auf einen fremden Planeten verschleppt und kann aufgrund seines Verhaltens und seiner psychischen Reaktionen als Bewohner des Planeten Marune identifiziert werden. Er kehrt nach Hause zur\u00fcck, wo die Lebensformen und Gebr\u00e4uche eng mit dem Tagesablauf, also mit der Gestalt des Sonnensystems zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>Musikunterlegung 3<\/strong><\/p>\n<p><u>Sprecher 2<\/u><\/p>\n<p>Der Planet Marune umkreist den gelbroten Zwergstern Furad ziemlich eng. Der gr\u00fcne Stern hei\u00dft Cirse, der blaue Zwerg ist Osma, der rote Maddar. Maddar und Cirse umkreisen einander ziemlich nah. Furad, mit Maddar in seinem Monatsorbit, umkreist Osmo. Auf Marune gibt es daher keinen Wechsel von Tag und Nacht wie auf den meisten anderen Planeten. Statt dessen wechseln sich verschiedene Helligkeitsphasen ab, je nachdem, welche Sonne oder welche Sonnen gerade am Himmel stehen. F\u00fcr diese Phasen gibt es eine Nomenklatur: Aud, Isp, Gr\u00fcnrowan und Umber sind die wichtigsten Perioden. Die Abfolge der Phasen ist \u00e4u\u00dferst kompliziert.<\/p>\n<p>Die Rhunen, eine Bev\u00f6lkerungsschicht auf Marune, werden stark durch den Wechsel der Phasen beeinflu\u00dft. Ein Verhalten, das w\u00e4hrend einer Phase als korrekt gilt, kann w\u00e4hrend einer anderen als absurd, geschmacklos oder unschicklich angesehen werden. W\u00e4hrend Aud, Isp und Umber pflegt man seine Bildung zu vervollst\u00e4ndigen oder seine speziellen Begabungen zu \u00fcben. Formelle Zeremonien finden bei Isp statt. Aud ist die angemessene Zeit, einen Proze\u00df zu f\u00fchren, ein Duell auszufechten, Zins einzutreiben. Gr\u00fcnrowan ist die Zeit f\u00fcr Poesie und sentimentale Gedanken, w\u00e4hrend Rotrowan eine Lockerung der strikten Etikette gestattet. Echte Nacht tritt im Durchschnitt nur einmal in drei\u00dfig Tagen auf, und zwar nach einem recht komplizierten Schema. Diese Phase hei\u00dft Mirk. Dann werden die Rhunen unruhig. Manche schlie\u00dfen sich in ihren Wohnst\u00e4tten ein, andere wiederum staffieren sich mit grotesken Kost\u00fcmen aus und streifen in der Nacht umher, wo sie die verr\u00fccktesten Dinge tun. Mirk ist die Zeit der Unwirklichkeit.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><u> O-Ton Vance<\/u> --- 1\u00b431\u00b4\u00b4<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>I think there is conventions ... but its useful.<\/em><\/p>\n<p>OVERVOICE Es gibt eine ganze Reihe von stillschweigenden \u00dcbereink\u00fcnften bei allen sogenannten Science-Fiction-Autoren. Dazu geh\u00f6rt zum Beispiel, da\u00df ein Raumschiff sehr schnell fliegen kann, schneller als das Licht. Nat\u00fcrlich wissen wir aus der Naturwissenschaft, da\u00df das unm\u00f6glich ist. Aber damit die Geschichten funktionieren, mu\u00df man einfach als Voraussetzung annehmen, da\u00df Raumschiffe so schnell fliegen k\u00f6nnen - oder man kann keine solche Geschichte schreiben. Es gibt eine andere \u00dcbereinkunft, die ist wirklich l\u00e4cherlich, obwohl ich sie selbst benutze, n\u00e4mlich da\u00df Sprache, also die Sprache der Erde \u00fcberall verstanden wird. Das ist Unsinn, denn wir wissen alle, da\u00df die Sprache nat\u00fcrlich das erste ist, was sich ver\u00e4ndert, wenn eine Gesellschaft isoliert wird. Die Art zu kommunizieren w\u00fcrde sich schnell ver\u00e4ndern, und wenn Leute von der Erde sp\u00e4ter dorthin k\u00e4men, w\u00fcrden sie sich mit den Menschen dort nicht mehr verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Aber es w\u00e4re eine h\u00f6llische Sache, eine Geschichte zu schreiben, die dieses Sprachproblem ber\u00fccksichtigt. Man m\u00fc\u00dfte Dolmetscher haben oder computerisierte \u00dcbersetzer oder irgend etwas in der Richtung. Das w\u00fcrde die Geschichte unglaublich verlangsamen. Deshalb benutze ich die \u00dcbereinkunft, da\u00df alle Menschen, gleich von wo sie kommen, sich vestehen k\u00f6nnen, da\u00df sie die gleiche Sprache benutzen. Das ist zwar unlogisch, aber n\u00fctzlich.<\/p>\n<p><u>Sprecher 1<\/u><\/p>\n<p>Auch wenn er der Handlung zuliebe das Verst\u00e4ndigungsproblem vernachl\u00e4ssigt, ist Sprache f\u00fcr Jack Vance ein zentrales Kulturmerkmal, wie die Sitten und Gebr\u00e4uche, wie Architektur, Mobiliar und Kunst. Vance erkl\u00e4rt grammatikalische Strukturen einer fiktiven Sprache in Fu\u00dfnoten, als sei der Roman ein wissenschaftlicher Text. Er simuliert sie mit altert\u00fcmlich klingenden oder frei erfundenen Wendungen, mit Silben-Folgen aus Teilen verschiedener Worte sowie assoziationsgeladenen oder auch v\u00f6llig fremd scheinenden Neologismen. 1992 erschien ein Jack-Vance-Lexikon, das etliche hundert Wortsch\u00f6pfungen und Formulierungen des Autors auflistet und kommentiert.<\/p>\n<p>Sprache ist schlie\u00dflich Thema des Romans \u201eDie Kriegssprachen von Pao\u201c von 1958. Auf dem Planeten Pao spricht die friedliebende und selbstgen\u00fcgsame Bev\u00f6lkerung eine einheitliche Sprache. Bestimmte Interessengruppen wollen nun \u00fcber die Einf\u00fchrung neuer Sprachen, eine technische, eine wissenschaftliche und eine kriegerische, den Charakter der Bev\u00f6lkerung in einen k\u00e4mpferisch aggressiven verwandeln - was ihnen im Laufe des Romans auch gelingt. Das Buch basiert auf der Theorie linguistischer Relativit\u00e4t, der Sapir-Whorf-Hypothese. Sie besagt, da\u00df die formalen Strukturen einer Sprache die Bewu\u00dftseinsstrukturen, das Denken und das soziale Handeln ma\u00dfgebend bestimmen.<\/p>\n<p><strong>Musikunterlegung 4<\/strong><\/p>\n<p><u>Sprecher 2<\/u><\/p>\n<p>\u201eJede Sprache\u201c, sagte Fanchiel, \u201eist ein besonderes Werkzeug von bestimmter Kapazit\u00e4t. Sie ist mehr als ein Mittel der Verst\u00e4ndigung, sie ist ein gedankliches System. Vergleicht eine Sprache mit der Au\u00dfenlinie einer Wasserscheide, welche den Zuflu\u00df in bestimmte Richtungen aufh\u00e4lt, ihn in andere kanalisiert. Die Sprache beherrscht die Funktion Eures Verstandes. Wenn Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen, arbeitet Ihr Verstand unterschiedlich und sie handeln unterschiedlich. Kennt Ihr beispielsweise den Planeten Vale?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, antwortete Beran, \u201edie Welt, wo alle Leute verr\u00fcckt sind.\u201c<\/p>\n<p>Ein L\u00e4cheln durchbrach den strengen Ausdruck auf Fanchiels Gesicht. \u201eBesser gesagt, ihre Handlungen erwecken den Anschein des Verr\u00fccktseins. Tats\u00e4chlich sind sie totale Anarchisten. Untersuchen wir nun die Sprache Vales, finden wir, wenn schon nicht eine Ursache f\u00fcr ihr Verhalten, so doch wenigstens ein paralleles Erscheinungsbild. Die Sprache ist auf Vale eine Sache pers\u00f6nlicher Improvisation mit nur den allerwenigsten Konventionen. Jedes Individuum sucht sich eine Sprechweise aus, wie Ihr oder ich vielleicht die Farbe unserer Kleider w\u00e4hlen. Die Frage stellt sich: Ruft die Sprache Exzentrizit\u00e4t hervor oder spiegelt sie sie lediglich wider? Was war zuerst da: die Sprache oder das Verhalten?\u201c<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><u> O-Ton Vance<\/u> --- 0\u00b440\u00b4\u00b4<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>I did one or two books ... act of violence.<\/em><\/p>\n<p>OVERVOICE Ich habe ein Buch geschrieben, das auf der Idee beruht, da\u00df die Besitzrechte an jedem St\u00fcck Grund und Boden der Welt auf einem Gewaltakt gr\u00fcnden. Man kauft ein St\u00fcck Land oder erbt es, ganz legal, aber wenn man nur weit genug in der Geschichte zur\u00fcckgeht, dann hat irgend jemand jemand anderen ausgetrickst, weggejagt oder abgeschlachtet, um dieses St\u00fcck Land in Besitz zu nehmen, au\u00dfer vielleicht in der Tundra, die niemand will. Aber man kann man bei jedem St\u00fcck Land nachweisen, da\u00df die Besitzrechte irgendwann einmal durch einen Gewaltakt erworben worden sind.<\/p>\n<p><u>Sprecher 1<\/u><\/p>\n<p>Vielleicht ist es ein St\u00fcck Verarbeitung der eigenen Geschichte als US-Amerikaner, wenn Jack Vance dieses Thema im Roman \u201eDer graue Prinz\u201c von 1974 aufgreift. Wei\u00dfh\u00e4utige Kolonisten haben auf dem Planeten Koryphon die fr\u00fcheren, blauh\u00e4utigen Ansiedler unterjocht, ihnen das Land geraubt und sie zu Bediensteten gemacht. Daneben gibt es die Insel Szintarre, wo eine intellektuelle und im Gegensatz zu Bev\u00f6lkerung des Kontinents reiche Bev\u00f6lkerungsgruppe ans\u00e4ssig ist. Diese Menschen halten eine halbintelligente Lebensform als sklaven\u00e4hnliche Diener, die sogenannten Erjinen.<\/p>\n<p>Parallelen zur amerikanischen Geschichte und Gegenwart sind kaum zu \u00fcbersehen: Die Eroberung des amerikanischen Kontinents, das Rassenproblem zwischen den Wei\u00dfh\u00e4utigen und den sich im Laufe des Romans selbstbewu\u00dft emanzipierenden Blauh\u00e4utigen; das Problem eines sozialen Gef\u00e4lles zwischen Arm und Reich und Nord und S\u00fcd.<\/p>\n<p><strong>Musikunterlegung 5<\/strong> beginnen<\/p>\n<p><u>Sprecher 1<\/u><\/p>\n<p>Jack Vance\u00b4 Romane tragen das Etikett Science-Fiction. Aber im Gegensatz zu Stanislaw Lems tiefenpsychologischen Allegorien, zu Herbert W. Frankes weitgedachten Vorausnahmen wissenschaftlicher Erkenntnisse oder zu William Gibsons alptraumhaften Cyberspace-Abenteuern bem\u00fcht sich Vance nicht um Projektionen von Technik und Gesellschaft in eine ferne Zukunft. Er scheint eher mit den jahrhundertealten Wurzeln des Genres verbunden, mit den Utopien eines Thomas Morus, Tommaso Campanella oder Francis Bacon. Er entwirft detailgenaue Bilder von Gesellschaften, wobei die Zukunft, der fremde Planet, die au\u00dferirdische Lebensform die B\u00fchnenbilder f\u00fcr diese Entw\u00fcrfe sind.<\/p>\n<p>Dort entfaltet Vance archaische Strukturen, Klassensysteme, anarchistische Gesellschaften und stellt Fragen: was sind die Bedingungen von Zivilisation, wie kommunizieren verschieden sozialisierte Menschen, wie verm\u00f6gen unterschiedliche Bev\u00f6lkerungsgruppen mit divergierenden Interessen zusammenzuleben?<\/p>\n<p><strong>Musikunterlegung 5<\/strong> weiter<\/p>\n<p><u>Sprecher 2<\/u><\/p>\n<p>Er badete und nahm im Refektorium ein tr\u00fcbsinniges Fr\u00fchst\u00fcck ein, das aus Brot, kaltem Fleisch und Obst bestand. W\u00e4re ihm nicht die rhunische Einstellung zu Nahrungsmitteln bekannt gewesen, h\u00e4tte er eine solche Mahlzeit als gezielten Affront betrachtet. Er \u00fcberlegte, ob in dieser Hinsicht nicht Neuerungen m\u00f6glich waren: warum sollten die Rhunen allein so \u00fcberaus penibel sein, wenn Milliarden anderer Menschen in aller \u00d6ffentlichkeit tafelten und keinen Ansto\u00df an ihren Stoffwechselvorg\u00e4ngen nahmen?<\/p>\n<p>Ein blasser flackernder Schein wich nach wenigen Minuten der Dunkelheit. Mirk war \u00fcber das Land gekommen. Man mu\u00dfte die Sache sp\u00e4ter genauer \u00fcberdenken.<\/p>\n<p><em>oder<\/em><\/p>\n<p>\u201eVEE ist die Vereinigung f\u00fcr die Emanzipierung der Erjinen\u201c, erkl\u00e4rte der junge Mann. \u201eBitte halten Sie uns nicht f\u00fcr verr\u00fcckt. Wir k\u00e4mpfen tats\u00e4chlich gegen eine echte Ungerechtigkeit an: die Versklavung intelligenter Wesen! Valtrina mit ihren Erjinen-Dienern geh\u00f6rt zu jenen, die wir angreifen.\u201c<\/p>\n<p>Valtrina lachte. \u201eErst m\u00fcssen Sie mir zweierlei, nein, dreierlei beweisen. Als erstes, da\u00df Sim und Slim tats\u00e4chlich vernunftbegabte Wesen sind und nicht nur domestizierte Tiere. Zweitens, da\u00df sie \u00fcberhaupt emanzipiert sein m\u00f6chten. Und dann verlange ich pers\u00f6nlich noch, da\u00df Sie mir Ersatz f\u00fcr sie besorgen - zwei Diener, die genauso brauchbar, gef\u00fcgig und zuverl\u00e4ssig sind wie meine schwarz-braunen Sch\u00f6nen. Au\u00dferdem, sie brauchen nicht hier zu bleiben, sie k\u00f6nnen weg, wann sie wollen. Ich halte sie schlie\u00dflich nicht in Ketten.\u201c<\/p>\n<p>Einer der Erjinen-Diener hatte soeben den Saal betreten und schob einen Servierwagen vor sich her. Er sah pr\u00e4chtig aus in seiner Livree. Schaine fiel der verschleierte Blick unter den schwarzen Wimpernb\u00fcscheln auf. Sie hatte das Gef\u00fchl, da\u00df der Erjin genau verstand, wor\u00fcber sie sich unterhielten.<\/p>\n<p><strong>E N D E<\/strong><\/p>\n<p><strong>Musikunterlegungen<\/strong><\/p>\n<p><u>1 Landschaft Kahei<\/u><\/p>\n<p>Jean Tinguely: \u201eMetaharmonie II\u201c (unknown public upc04, Track 3)<\/p>\n<p><u>2 Beschreibung Asutra<\/u><\/p>\n<p>Sabine Breitsameter: \u201eThe Hidden Tune\u201c, ab 0\u00b419\u00b4\u00b4 (Sondscape Vancouver 1996, Cambridge Street Records CSR-2CD 9701, Track 3)<\/p>\n<p><u>3 Beschreibung Sonnensystem Marune<\/u><\/p>\n<p>Nicky Hind: \u201eRain\u201c (unknown public upc04, Track 5)<\/p>\n<p><u>4 Dialog zur Sprache<\/u><\/p>\n<p>Josef Anton Riedl: \u201eLeonce und Lena Nr 4\u201c (Siemens Studio f\u00fcr elektronische Musik, CD, Track 17)<\/p>\n<p><u>5 Dialog \u00fcber Erjinen-Versklavung<\/u><\/p>\n<p>Jo Ambros: Improvisation (Aufnahme des Komponisten, Copyright beim Komponisten, Track 8), durch Loop verl\u00e4ngern<\/p>\n<p>_________________________________<\/p>\n<p>Der 25 Minuten dauernde Audio-Beitrag wurde am 17.05.1999 vom WDR ausgestrahlt.<\/p>\n<p>Copyright \u00a9 1999, 2016 by Dr. Hanno Ehrler<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.verlag-hanno-ehrler.de\">www.verlag-hanno-ehrler.de<\/a><\/p>\n<p>Seine neueste Publikation \"Der Malta-Report\" ist im MV-Verlag erschienen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/mv-buchhandel.de\/sachbuch\/reise\/3505\/der-malta-report\">http:\/\/mv-buchhandel.de\/sachbuch\/reise\/3505\/der-malta-report<\/a><\/p>\n<p>_________________________________<\/p>\n<p>Liebe Leser,<\/p>\n<p>es war nicht m\u00f6glich, den Audio-Beitrag selbst f\u00fcr die Website zu bekommen. Begr\u00fcndung des WDR: \u201eLeider k\u00f6nnen wir Ihrem Wunsch nach einer \u00dcbernahme auf Ihre Internet-Seiten nicht entsprechen. Bitte haben Sie Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass der WDR bei den vielen und unterschiedlich gelagerten Einzelanfragen grunds\u00e4tzlich keine entsprechenden Genehmigungen erteilt. Das hat rechtliche Gr\u00fcnde, aber auch publizistische.\u201d<\/p>\n<p>Herzlichen Dank Herr Dr. Ehrler f\u00fcr die Erlaubnis, die Textfassung des Beitrags kostenfrei zu ver\u00f6ffentlichen!<\/p>\n<p>Andreas Irle, August 2016<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong id=\"airle\">Wunderwerker, Weltensch\u00f6pfer, Wortschmied\u00a0\u00a0\u2013 Jack Vance<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: left;\"><strong> Mann und Mythos<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Jack Vance (richtiger Name: John Holbrook Vance) wurde am 28. August 1916 als drittes von f\u00fcnf Kindern von Charles Albert und Edith (Hoefler) Vance in San Franzisko geboren. Er wuchs auf einer Ranch im San Joaquin Valley in Kalifornien auf und begann 1937 ein Studium an der Universit\u00e4t von Kalifornien in Berkeley \u2013 zun\u00e4chst Bergbau und Physik, sp\u00e4ter wechselte er zu Englisch, Geschichte und Journalismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1939-45 schrieb er als Jazz-Kolumnist f\u00fcr <em>The Daily Californian<\/em>, <em>Pelican <\/em>und <em>Folio<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Er arbeitete als Elektriker in Pearl Harbor, von wo er noch vor dem japanischen Angriff 1941 abreiste, um Japanisch zu studieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">W\u00e4hrend und nach dem 2. Weltkrieg fuhr er als Matrose der US-Handelsmarine zur See, in dieser Zeit wurde er zwei Mal torpediert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach dem Krieg ging er mehreren Besch\u00e4ftigungen nach: er arbeitete in einer Konservenfabrik, als Obstpfl\u00fccker, als Jazztrompeter und als Zimmermann; letzteres \u00fcbte er bis 1966 aus, ab diesem Jahr war er freier Schriftsteller.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">1946 heiratete er Norma Ingold; 1961 wurde ihr Sohn John geboren. Die Vances leben in Oakland und haben im Laufe der Jahre nahezu die ganze Welt bereist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Eines von Jack Vances bevorzugten Magazinen seiner Jugend war Weird Tales, in dem er die Geschichten von Clark Asthon Smith und Edgar Rice Burroughs las. Vance berichtet, dass er den Ankunftstag in etwa kannte und immer zum einen halben Kilometer entfernten Briefkasten rannte, um zu sehen, ob es wirklich angekommen war. Sp\u00e4ter zog er Kriminallekt\u00fcre der Sciencefiction vor. Warum ist er Schriftsteller geworden? Er sagt, es w\u00e4re f\u00fcr ihn die einzig vorstellbare T\u00e4tigkeit gewesen, die ihm die Freiheit gab zu reisen und zu tun, was er gerne wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Anfang der 50er Jahre schrieb Vance Scripts f\u00fcr die Fernsehserie \"Captain Video and His Video Rangers\". Zwei seiner Romane \u2013 <em>The Man in the Cage <\/em>(1960) und <em>Bad Ronald <\/em>(1973) \u2013 wurden verfilmt. Die Kurzgeschichte \"The Potters of Firsk\" (1950, \"Die T\u00f6pfer von Firsk\") wurde als Radioh\u00f6rspiel ausgestrahlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Unter seinen Freunden \u2013 mit den Herberts bildeten die Vances vor\u00fcbergehend einen Zwei-Autoren-Haushalt \u2013 befinden sich Poul Anderson und Robert Silverberg, die ganz in seiner N\u00e4he wohnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Da er sich in Sciencefiction-Fankreisen nur sehr selten sehen lie\u00df, entstand das Ger\u00fccht, dass \"Jack Vance\" gar nicht existiere und nur ein weiteres Pseudonym f\u00fcr Henry Kuttner w\u00e4re; sogar die Kongressbibliothek verzeichnete ihn als solches. Das Ger\u00fccht hielt sich eine Zeitlang, bis Henry Kuttner starb und Jack Vance weiter ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1984 erhielt er den World Fantasy Award f\u00fcr sein Lebenswerk. Gegen Ende der 80er Jahre erkrankte Jack Vance, dessen Sehkraft nie besonders gut gewesen war, am Gr\u00fcnen Star und erblindete nahezu vollst\u00e4ndig. Den Abschlussband der Lyonesse-Trilogie und die folgenden B\u00fccher konnte er nur schreiben, weil Freunde ihm halfen einen sprechenden Computer einzurichten. 1992 war Jack Vance Ehrengast des Worldcons in Orlando. 1997 erhielt er den Nebula Grand Masters Award f\u00fcr sein Lebenswerk. In Frankreich und in Holland sind seine B\u00fccher beliebter als in den USA. 1998 war er\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ehrengast beim Festival Utopia '98 in Poitiers, Frankreich, wo ihm der Prix Utopia f\u00fcr sein Lebenswerk verliehen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Seine B\u00fccher werden in \u00fcber einem Dutzend L\u00e4ndern ver\u00f6ffentlich.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"2\">\n<li><strong> Der Millionen-Worte-im-Jahr-Mann (1945 - 1950)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Kurzgeschichte \u00bbThe World Thinker\u00ab (\u00bbDer Weltersinner\u00ab), erschienen im Sommer 1945 in Thrilling Wonder Stories, war Vances erste bezahlte Ver\u00f6ffentlichung. Seine Ideen, seine Phantasie, seine genauen Schilderungen lie\u00dfen ihn im Laufe seiner Karriere tats\u00e4chlich zum Weltensch\u00f6pfer werden. Thrilling Wonder Stories bildete zusammen mit Startling Stories seinen Hauptver\u00f6ffentlichungsquellen. Der einzige Weg, gutes Geld zu verdienen, war ein Millionen-Worte-im-Jahr-Mann zu werden, da man nach Wortanzahl bezahlt wurde. In Startling Stories erschienen unter anderem auch seine Magnus Ridolph-Geschichten, die sp\u00e4ter gesammelt als <em>The Many Worlds of Magnus Ridolph <\/em>(1966, <em>Die Welten des Magnus Ridolph<\/em>) erschienen; eine vollst\u00e4ndige Sammlung wurde allerdings erst 1985 mit <em>The Complete Magnus Ridolph<\/em> vorgelegt. Magnus Ridolph ist ein kosmopolitischer Detektiv, der seine F\u00e4lle weniger durch \u00bbAktion\u00ab, als durch seine Beobachtungsgabe und seine Rolle als Au\u00dfenseiter l\u00f6st.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"3\">\n<li><strong> Klassiker der Fantasy-Literatur (1950 - 1952)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Vances erstes Buch erschien 1950: <em>The Dying Earth<\/em> (Die sterbende Erde), ein Fantasy-Episodenroman, der heute als Klassiker gilt. Die Leser der Zeitschrift LOCUS w\u00e4hlten ihn 1987 unter die 20 besten Fantasy-Romane aller Zeiten. Die sechs Geschichten, die in diesem Buch gesammelt sind, werden durch einige gemeinsame Charaktere sowie durch den gemeinsamen Hintergrund \u2013 eben die sterbende Erde \u2013 verbunden. Zu diesem Schauplatz kehrte Vance sp\u00e4ter mit den Cugel-Romanen und <em>Rhialto the Marvellous<\/em> (1984, Rhialto der Wunderbare) zur\u00fcck. <em>The Dying Earth<\/em>, sowie <em>Big Planet <\/em>(1957, Planet der Ausgesto\u00dfenen) sind fr\u00fche Beispiele des unverwechselbaren und farbenpr\u00e4chtigen Stils dieses Autors: Schilderungen fremder Sitten und Gebr\u00e4uche, Beschreibungen der einheimischen Flora und Fauna, die klangvollen Namen der Orte, Pflanzen und Personen \u2013 Dinge, die die Geschichten Vances kennzeichnen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"4\">\n<li><strong> Vom Typischen zum \u201eTyp\u201c (1952 - 1964)<\/strong><em>\u00a0<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Big Planet<\/em> liegt eine Odyssee zugrunde, ein Motiv, das vor allem in <em>Space Opera<\/em> (1965), <em>The Eyes of the Overworld<\/em> (1966, Die Augen der \u00dcberwelt), der Tschai-Serie (1968-70), <em>Showboat-World<\/em> (1975, Showboot-Welt) und <em>Cugel\u00b4s Saga<\/em> (1983, Cugel der Schlaue) wieder auftaucht. Zur Zeit arbeitet Vance erneut an einem Roman dieser Art, Arbeitstitel: <em>Ports of Call.<\/em> In vielen weiteren Geschichten tritt die Odyssee in mehr oder weniger starker Auspr\u00e4gung auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Einige Titel der 50er Jahre sind konventioneller geschrieben, behandeln typische Themen der Science fiction, wie zum Beispiel Telek (1952, Homo Telek) Telekinese, To Live Forever (1956, Kaste der Unsterblichen) Unsterblichkeit. Auch diese Werke tragen den Stempel Vances; dennoch sind Geschichten wie \u201eThe Miracle Workers\u201c (1958, Die Wunderwerker) und \u201eThe Moon Moth\u201c (1961, Die Mondmotte) bezeichnender f\u00fcr sein Schaffen. \u201eThe Moon Moth\u201c ist <u>die<\/u> typische Vance-Geschichte \u00fcberhaupt: Edwer Thissell, gerade\u00a0\u00a0 erst auf Sirene eingetroffen, erh\u00e4lt den Auftrag, den notorischen Meuchelm\u00f6rder Haxo Angmark aufzusp\u00fcren. Sein Problem dabei ist, da\u00df jedermann auf Sirene \u2013\u00a0\u00a0\u00a0 au\u00dfer den Sklaven \u2013 Masken zu tragen hat. Eine Verst\u00e4ndigung findet mit der Begleitung eigenh\u00e4ndig gespielter Instrumente statt, die Thissell kaum zu bedienen versteht. Wie also soll er Angmark finden?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Seit 1957 schreibt Vance Kriminalromane, deren erfolgreichster <em>The Man in The Cage<\/em> (1960, Der Mann im K\u00e4fig) ist, der den Edgar Award der Mystery Writers of America gewann. <em>The Dragon Masters<\/em> (1963, Die Drachenreiter) erhielt den Hugo Award, ebenso wie \u201eThe Last Castle\u201c (1966, Die letzte Festung) Hugo und Nebula Award einheimste.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"5\">\n<li><strong> R\u00e4cher und Rebellen (1963 - 1968)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die 60er Jahre waren Vances produktivste Zeit. Mit <em>The Star King<\/em> (1964, J\u00e4ger im Weltall), <em>The Killing Machine<\/em> (1964, Die Mordmaschine) und <em>The Palace of Love<\/em> (1967, Der D\u00e4monenprinz) erschienen die ersten drei B\u00e4nde der D\u00e4monenprinzen-Serie, die mit <em>The Face<\/em> (1979, Das Gesicht) und <em>The Book of Dreams<\/em> (1981, Das Buch der Tr\u00e4ume) abgeschlo\u00dfen wurde. Darin geht es um die Rache\u00a0\u00a0 an den f\u00fcnf sogenannten D\u00e4monenprinzen. Der Protagonist \u2013 Kirth Gersen \u2013 verfolgt in jedem Band einen seiner Feinde, mu\u00df aber erkennen, da\u00df ihn sein Kampf um vieles bringt, was er sich ersehnt, n\u00e4mlich eine Familie und ein Heim. In <em>The Face <\/em>stellt er fest, da\u00df er auf der gleichen Seite steht wie sein Gegner. Beinahe jedes Kapitel beginnt Vance mit Artikeln, Daten oder Kommentaren \u00fcber das Universum der D\u00e4monenprinzen-Serie; dies verleiht den B\u00fcchern zus\u00e4tzliche Tiefe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Detailschilderungen der Welten und Kulturen wurden immer genauer. Dies steigerte sich von <em>The Blue World<\/em> (1966, Der azurne Planet), der Tschai-Serie (1968-70, Planet der Abenteuer) \u00fcber <em>Emphyrio<\/em> (1969) bis hin zur Durdane-Trilogie (1973-74, Durdane).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In den Einzelromanen <em>The Blue World <\/em>und <em>Emphyrio<\/em> geht es jeweils um einen Rebellen, der innerhalb einer Gesellschaft aufw\u00e4chst, deren Mi\u00dfst\u00e4nde entdeckt, bek\u00e4mpft und schlie\u00dflich \u00fcberwindet.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"6\">\n<li><strong> Weltentw\u00fcrfe gro\u00dfen Stils (1968 - 1973)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Tschai-Serie, bestehend aus den Romanen <em>City of the Chasch<\/em> (1968), <em>Servants of the Wankh<\/em> (1969), <em>The Dirdir<\/em> (1969) und <em>The Pnume <\/em>(1970) handelt von der Suche des einzigen \u00dcberlebenden eines abgeschossenen Raumschiffs \u2013 Adam Reith \u2013 nach einer M\u00f6glichkeit zur\u00fcck zur Erde zu gelangen. Auf seiner Suche lernt Reith die Kulturen der Khasch, der Wankh, der Dirdir und der Pnume kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Durdane-Trilogie, bestehend aus den Romanen <em>The Faceless Man <\/em>(1973), <em>The Brave Free Men <\/em>(1973) und <em>The Asutra<\/em> (1974) handelt von Gastel Etzwane, der auszieht, um seine Mutter aus dem Dienst der Chiliten zu befreien. Er wird in immer gr\u00f6\u00dfere Probleme verstrickt, denen er sich stellen mu\u00df. Ihm zur Seite steht Ifness, ein Abgesandter des Historischen Instituts der Erde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jack Vance schrieb seine Geschichten (vor dem Zeitalter des Computers) von Hand nieder und benutzte dazu verschiedenfarbige Tinte. Er betont stets, da\u00df seine Frau Norma, indem sie seine Manuskripte redigiert und abtippt, einen Gro\u00dfteil der Arbeit erledigt und sie im Grunde Kollegen seien. Oft zeichnete er Karten seiner Welten, aber nicht immer werden sie auch in der Buchver\u00f6ffentlichung abgedruckt. So existieren zum Beispiel von der Welt Durdane Karten der Kantone Shants und Palasedras.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"7\">\n<li><strong> Galaktischer Hintergrund (1973 - 1983)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Welten Vances wurden immer reichhaltiger, der Hintergrund trat mehr und mehr in den Blickpunkt. Die Geschichten wurden statischer, handlungs\u00e4rmer, die Schilderungen genauer. Die Gesellschaften, die Vance schuf wurden nicht mehr von den Protagonisten \u00fcberwunden, vielmehr wurden sie von ihnen unterst\u00fctzt und gesch\u00fctzt. Das Motiv der Heimat nahm eine zentrale Rolle in vielen Romanen der 70er Jahre ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Trullion: Alastor 2262<\/em> (1973), <em>The Domains of Koryphon<\/em> (1974, Der graue Prinz), <em>Marune: Alastor 933<\/em> (1975), <em>Maske: Thaery<\/em> (1976) \u2013 alles Romane, die das Schaffen Vances in Richtung Detailbetrachtung vorantrieb. Dabei blieb die gro\u00dfe Perspektive nicht unbeachtet; alle B\u00fccher sind eingebettet in einen galaktischen Hintergrund: das Gaeanische Reich und den Alastor-Sternhaufen. Zu diesem Universum ist ein Gro\u00dfteil der Geschichten Vances zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Alastor-Sternhaufen-B\u00fccher sind in sich abgeschlossen und haben lediglich den Hintergund gemein. Der Alastor-Sternhaufen mit drei\u00dfigtausend besiedelten Welten wird beherrscht vom Connat, der sein Reich nach alter Tradition inkognito durchwandert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>The Domains of Koryphon<\/em> schildert eine Welt, auf der es kein Land gibt, das nicht mittels Gewalt erworben wurde. Der graue Prinz, ein Rebell der Uldras, will den Landbaronen das Land, welches sie den Uldras vor zweihundert Jahren nahmen, wieder abspenstig machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Maske: Thaery<\/em> schildert die Abenteuer von Jubal Droad, der als Zweitgeborener eine Wanderung durch das Land antreten mu\u00df. Dabei kommt er einem Plan auf die Spur, der das Gesicht der gesamten Welt Maske ver\u00e4ndern und sein Heim auf Kap Junchion zerst\u00f6ren w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vance erz\u00e4hlt, da\u00df einige Titel nicht von ihm, sondern vom Verlag seien. Dazu geh\u00f6ren unter anderem <em>The Dying Earth<\/em> und <em>Showboat-World<\/em>. Letzterer erschien bei Underwood-Miller unter dem von Vance gew\u00e4hltem Titel <em>The Magnificent Showboats of the Lower Vissel River, Lune XXIII South, Big Planet.<\/em><\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"8\">\n<li><strong> R\u00fcckkehr zur Fantasy (1983 - 1987)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\">Nach Vollendung der D\u00e4monenprinzen-Serie zu Beginn der 80er Jahre wandte Vance sich verst\u00e4rkt der Fantasy zu. Es entstanden weitere Geschichten um Cugel und die sterbende Erde. In <em>Cugel\u2019s Saga<\/em> sind einige wahrhaft k\u00f6stliche Szenen zu finden, deren beste wohl die Begebenheit in der Taverne ist, wo sich Cugel und Bunderwal gegenseitig ausstechen wollen, um eine Passage an Bord eines Schiffes zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das zentrale Werk dieser Zeit ist jedoch die umfangreiche Lyonesse-Trilogie, bestehend aus <em>Lyonesse: Suldrun\u2019s Garden<\/em> (1983, Herrscher von Lyonesse), <em>Lyonesse: The Green Pearl <\/em>(1985, Die gr\u00fcne Perle) und dem Abschlu\u00dfband <em>Lyonesse: Madouc <\/em>(1989, Madouc), der den World Fantasy Award gewann. Darin geht es um die \u00c4lteren Inseln, die s\u00fcdlich von Irland liegen, und die k\u00fchnen Bestrebungen K\u00f6nig Casmirs, die Gesamtherrschaft \u00fcber das Inselreich zu erlangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jack Vance ist ein Sprachk\u00fcnstler und Wortschmied. Die Atmosph\u00e4re, die er durch sein reichhatiges Vokabular schafft, ist stets der Handlung angepasst. Dies ist gut an dem Unterschied der Stimmungen in <em>Lyonesse: Suldrun\u2019s Garden<\/em> und <em>Cugel\u2019s Saga<\/em> nachzuvollziehen. Im unten erw\u00e4hnten Vance-Lexikon kann man 1.700 seiner Wortpr\u00e4gungen nachlesen. Zum Teil sind sie aus anderen Sprachen entliehen, aus englischen Begriffen zusammengesetzt oder verfremdet. Dadurch werden sie zum Teil nachvollziehbar. Das Wichtigste aber ist ihr Klang, der immer irgendwie treffend ist. Um fremde Rassen fremd wirken zu lassen, benutzt er mitunter veraltete Begriffe oder Fachausdr\u00fccke, die aus dem Munde des sprechenden seltsam anmuten, aber dennoch verst\u00e4ndlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"9\">\n<li><strong> Verbindung der Motive (1987 - )<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Araminta Station<\/em> (1987, Station Araminta) markierte Vances R\u00fcckkehr zur Science fiction. Dieser Roman ist sein bisher umfangreichster und bildet den Auftakt zu den Cadwal-Chroniken, die in <em>Ecce and Old Earth<\/em> (1991, Ecce und die Alte Erde) und <em>Throy<\/em> (1992) ihre Fortsetzung bzw. ihren Abschlu\u00df finden. Cadwal ist ein unter Protektorat stehender Planet mit, einer begrenzten Bev\u00f6lkerungszahl zur Einhaltung der Cadwal-Charta. Glawen Clattuc mu\u00df sich gegen Intrigen innerhalb des Clattuc-Hauses wehren, einen Mord aufkl\u00e4ren, mithelfen den Yip-Aufstand niederzuschlagen, sich der LFF-Partei erwehren und schlie\u00dflich der Cadwal-Charta auf die Spur kommen. In dieser umfangreichen Trilogie verbindet Vance die Motive der Heimat mit der der Odyssee und zeigt seine gesamte Bandbreite an St\u00e4rken und Schw\u00e4chen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im neuesten Vance-Roman <em>Night Lamp<\/em> (1996) geht es um Jaro Fath, der von Hilyer und Althea Fath zusammengeschlagen aufgefunden und adoptiert wird, weil er seine Erinnerung verloren hat und keiner seiner Angeh\u00f6rigen zu finden ist. Er w\u00e4chst in Thanet auf Gallingale auf und fragt sich bald, wo seine Wurzeln sind.<\/p>\n<ol style=\"text-align: left;\" start=\"10\">\n<li><strong> Jack Vance \u2013\u00a0<\/strong><strong>Wortschmied, Weltensch\u00f6pfer, Wunderwerker<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00a0<\/strong>Oft wird ihm vorgeworfen, da\u00df er mit dem Fortschreiten einer Serie die Lust an seiner Sch\u00f6pfung verliere, da\u00df Handlungsstr\u00e4nge im Sande verliefen, da\u00df die Aktion gegen\u00fcber der Diskreption zu kurz komme. Dennoch \u2013 oder gerade deswegen hat er ein literarisches Werk geschaffen, welches wegen seiner Eigenst\u00e4ndigkeit seinen Platz in der Geschichte der Science fiction einnimmt. Auch beim wiederholten lesen enteckt man Einzelheiten, die man vorher \u00fcbersehen oder gar nicht wahrgenommen hat. Vance f\u00fchrt seine Leser in Abenteuerwelten, die liebevoll ausget\u00fcftelt sind und in den reichhaltigsten Farben der Sonnenunterg\u00e4nge erstrahlen. F\u00fcr mich ist er der Impressionist unter den Science fiction-Autoren. Seine Werke sind mit reichhaltigen, ineinanderflie\u00dfenden Farbtupfen gemalt, die als Gesamtheit aus der Distanz wirken. Betrachtet man sie aus der N\u00e4he, verliert man den Gesamteindruck, entdeckt man die Technik, die hinter dem Ganzen steht \u2013 und der Zauber verfliegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Andreas Irle<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die R\u00fcckkehr auf die \u00c4lteren Inseln von Daniel L\u00fcthi, 2009 \u2013 als pdf (788KB): Lyonesse Vance aus anderem Blickwinkel Norma Vance in Cosmopolis 41, 2003 \u2013 als pdf (539KB): Vance aus anderem Blickwinkel Eine Vance-Biografie von Norma Vance in Cosmopolis 40, 2003 \u2013 als pdf (241KB): Vance-Biografie Radiobeitrag von Hanno Ehrler, 1999 \u2013 als pdf (161KB): Mirk ist die Zeit&nbsp;<a href=\"https:\/\/editionandreasirle.de\/?page_id=253\" class=\"read-more\">Weiter lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":29,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-253","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=253"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/253\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":741,"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/253\/revisions\/741"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/29"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/editionandreasirle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}