{"id":84,"date":"2017-07-08T12:31:27","date_gmt":"2017-07-08T10:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/editionandreasirle.com\/?page_id=84"},"modified":"2017-11-11T15:35:46","modified_gmt":"2017-11-11T14:35:46","slug":"t-sterbende-erde-die","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/editionandreasirle.de\/?page_id=84","title":{"rendered":"Die sterbende Erde"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-114 aligncenter\" src=\"http:\/\/editionandreasirle.com\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/sterbendeerde-186x300.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/editionandreasirle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/sterbendeerde-186x300.jpg 186w, https:\/\/editionandreasirle.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/sterbendeerde.jpg 416w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">The Dying Earth<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">USA, 1950<br \/>\n\u00dcbersetzt von Lore Strassel<br \/>\n198 Seiten, eine Karte<br \/>\nEdition Andreas Irle, 1995<br \/>\nISBN\u00a0 3-9804569-0-0<br \/>\n\u20ac 50,--<br \/>\nLeider nicht mehr lieferbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon von Geburt an war Guyal von Sfere anders als seine Mitmenschen, und seine Entwicklung machte bereits in jungen Jahren seinem Erzeuger gro\u00dfe Sorgen. Rein \u00e4u\u00dferlich war er v\u00f6llig normal, aber in seinem Gehirn gab es eine Leere, die gef\u00fcllt werden wollte.<br \/>\nEs war, als h\u00e4tte seine Geburt unter einem Zauber gestanden, der das Kind mit einem unstillbaren Wissensdurst belastet hatte, so da\u00df jedes, auch das unbedeutenste Ereignis f\u00fcr ihn zum Wunder wurde, \u00fcber das er mehr zu erfahren trachtete. Beispielsweise stellte er bereits, als er kaum vier Jahre alt war, folgende Fragen:<br \/>\n\u00bbWarum haben Quadrate mehr Seiten als Dreiecke?\u00ab<br \/>\n\u00bbWie werden wir sehen, wenn die Sonne erlischt?\u00ab<br \/>\n\u00bbWachsen auch unter dem Meer Blumen?\u00ab<br \/>\n\u00bbPrasseln und zischen die Sterne, wenn es des Nachts regnet?\u00ab<br \/>\nSein Vater antwortete ungeduldig:<br \/>\n\u00bbSo bestimmt es das Pragmatika. Quadrate und Dreiecke m\u00fcssen der Regel gehorchen.\u00ab<br \/>\n\u00bbWir werden gezwungen sein, uns durch die Dunkelheit zu tasten.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch konnte mich dessen nie vergewissern. Nur der Kurator wei\u00df es.\u00ab<br \/>\n\u00bbAber durchaus nicht, denn die Sterne sind hoch \u00fcber dem Regen, ja h\u00f6her selbst als die h\u00f6chsten Wolken, und sie schwimmen in verfeinerter Luft, in der es nie zum Regnen kommen kann.\u00ab<br \/>\nAls Guyal zum J\u00fcngling heranwuchs, zog die Leere in seinem Geist sich nicht zusammen, wie man gehofft hatte. Im Gegenteil, sie schien in einem noch st\u00e4rkeren Verlangen zu pulsieren. Und so fragte er:<br \/>\n\u00bbWeshalb sterben Menschen, wenn sie get\u00f6tet werden?\u00ab<br \/>\n\u00bbWas wird aus der Sch\u00f6nheit, wenn sie verschwindet?\u00ab<br \/>\n\u00bbWie lange leben die Menschen schon auf der Erde?\u00ab<br \/>\n\u00bbWas ist jenseits des Himmels?\u00ab<br \/>\nWorauf sein Vater m\u00fchsam die Bitterkeit unterdr\u00fcckte und folgenderma\u00dfen antwortete:<br \/>\n\u00bbDer Tod ist das Erbe des Daseins. Die Lebenskraft eines Menschen ist wie Luft in einer Blase. Stichst du eine Nadel hinein, so flieht das Leben wie die Farbe eines erl\u00f6schenden Traums.\u00ab<br \/>\n\u00bbSch\u00f6nheit ist ein Glanz, den die Liebe verleiht, um das Auge zu t\u00e4uschen. Deshalb kann man sagen, da\u00df das Auge nur dann keine Sch\u00f6nheit sieht, wenn das Herz ohne Liebe ist.\u00ab<br \/>\n\u00bbManche nehmen an, der Mensch sei aus der Erde erstanden wie Made in einer Leiche. Andere sind der Ansicht, die ersten Menschen ersehnten sich ein Zuhause und erschufen deshalb die Erde durch einen Zauber. Wie es wirklich war, kann nur der Kurator mit Sicherheit beantworten.\u00ab<br \/>\n\u00bbEine endlose \u00d6de.\u00ab<br \/>\nUnd Guyal gr\u00fcbelte und postulierte, stellte Thesen auf und \u00e4u\u00dferte seine Meinung, bis er schlie\u00dflich zum Gegenstand heimlichen Gesp\u00f6tts wurde. Das Ger\u00fccht ging um, da\u00df ein Gleft auf Guyals Mutter aufmerksam geworden war, als sie in den Wehen lag, und er zu dieser Zeit einen Teil von Guyals Gehirn stahl. Dieses Manko versuchte der Junge nun mit aller Gewalt zu beheben.<br \/>\nAls Guyal bemerkte, da\u00df man keinen Wert auf seine Gesellschaft legte, sonderte er sich ab und streifte allein \u00fcber die gr\u00fcnen H\u00fcgel Sferes. Doch nie ruhte sein Verstand, er wollte N\u00e4heres \u00fcber alles wissen, was er sah, und konnte gar nicht genug erfahren, bis sein Vater eines Tages verdrossen erkl\u00e4rte, er wolle keine weiteren Fragen h\u00f6ren. Alles Wissen sei einmal bekannt gewesen, das unwichtige und bedeutungslose habe man vergessen und der Rest gen\u00fcge v\u00f6llig f\u00fcr einen gesunden, normalen Menschen.<br \/>\nZu dieser Zeit reifte Guyal zum Mann heran. Er war ein schlanker, gutaussehender Bursche mit gro\u00dfen klaren Augen, einem Hang zu eleganter Kleidung und einem heimlichen Kummer, der sich in seinen leicht herabgezogenen Mundwinkeln bemerkbar machte.<br \/>\nAls sein Vater diese grimmige Erkl\u00e4rung abgab, sagte Guyal: \u00bbNur noch eine Frage, dann werde ich keine mehr stellen.\u00ab<br \/>\n\u00bbAlso gut\u00ab, brummte sein Vater. \u00bbEine Frage sei dir noch gew\u00e4hrt.\u00ab<br \/>\n\u00bbDu hast so oft den Kurator erw\u00e4hnt. Wer ist er? Und wie kann ich ihn finden, um meinen Wissensdurst endlich zu befriedigen?\u00ab<br \/>\nEinen Augenblick lang musterte der Vater den Sohn, den er nun f\u00fcr hoffnungslos verr\u00fcckt hielt. Dann erwiderte er mit ruhiger Stimme. \u00bbDer Kurator bewacht das Museum der Menschheit, das sich uralter Legende nach im Land der Fallenden Wand jenseits der Berge von Fer Aquila und n\u00f6rdlich von Ascolais befinden soll. Es ist nicht bekannt, ob das Museum der Menschheit noch existiert und der Kurator noch am Leben ist. Doch d\u00fcnkt mir, wenn der Kurator wahrhaftig alles wei\u00df, wie die Legende behauptet, dann m\u00fc\u00dfte er wohl auch den Tod zu trotzen verstehen.\u00ab<br \/>\n\u00bbIch m\u00f6chte den Kurator und das Museum der Menschheit aufsuchen\u00ab, erkl\u00e4rte Guyal, \u00bbdamit auch ich alles erfahre, was es zu wissen gibt.\u00ab<br \/>\nSeufzend, doch voll Geduld versprach ihm sein Vater: \u00bbIch werde dir meinen edlen Schimmel \u00fcberlassen, dir mein dehnbares Ei als Unterschlupf vor jeglicher Gefahr mitgeben und dazu meinen leuchtenden Dolch, um dir Licht im Dunkeln zu spenden. Au\u00dferdem segne ich deinen Weg, damit die Gefahr sich dir fernh\u00e4lt, solange du nicht von ihm abweichst..\u00ab<br \/>\nGuyal unterdr\u00fcckte die hundert neuen Fragen, die sich ihm \u00fcber die Zunge dr\u00e4ngen wollten, einschlie\u00dflich jener, wo sein Vater diese Manifestationen der Zauberei herbeizurufen gelernt hatte, und nahm dankbar die Geschenke an: das Pferd, die magische Unterkunft, den Dolch mit dem leuchtenden Schaft und den Segen, der ihn von allen Unannehmlichkeiten bewahren sollte, die einem Reisenden auf den fast unbekannten Wegen Ascolais\u00b4 drohen mochten.<br \/>\nEr streifte seinem Schimmel eine prachtvolle Decke \u00fcber, steckte den Dolch in die Scheide, warf einen letzten Blick auf das alte Haus in Sfere und machte sich auf den Weg nach Norden, und die Leere in seinem Gehirn pochte und dr\u00e4ngte nach Wissen, das seine Qualen lindern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Dying Earth USA, 1950 \u00dcbersetzt von Lore Strassel 198 Seiten, eine Karte Edition Andreas Irle, 1995 ISBN\u00a0 3-9804569-0-0 \u20ac 50,-- Leider nicht mehr lieferbar. &nbsp; Schon von Geburt an war Guyal von Sfere anders als seine Mitmenschen, und seine Entwicklung machte bereits in jungen Jahren seinem Erzeuger gro\u00dfe Sorgen. 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